Sonntag, November 26, 2006

Go für Blinde



361 Schnittpunkte, jeweils 180 weisse und 181 schwarze (in Form und Grösse jedoch identische) Steine und eine unendliche Anzahl an Variationen und möglichen Abfolgen. Zieht man diese Fakten in Betracht, kommt man schnell zum Schluss, dass Go ein äusserst komplexes und tiefgründiges Spiel ist zu dessen "Beherrschung" man Jahre benötigt. Umso unglaublicher ist es, dass es blinde Go-Spieler gibt.

In Japan ist Blind-Go bereits seit langer Zeit bekannt, jedoch wurden erst 1995 die ersten Turniere ausgetragen. Einige die es nicht zum Austragungsort schafften, konnten sogar über eine PC & Video-Konferenz teilnehmen. Wie weit die Ursprünge vom Blind-Go zurückreichen, erklärt folgende Anekdote (gefunden auf MSO-World):



Als seine Festung von Tataren überfallen wurde, flohen der Kaiser und ein Go-Meister und versteckten sich in einer Hütte die von einer älteren Dame und ihrer Schwiegertochter bewohnt wurde. Nachts legte sich der Go-Spieler (Wang Jixin) auf die Veranda um zu schlafen, als er die beiden Blind-Go spielen hörte. Nacheinander sagten die beiden ihre Züge und Wang war erstaunt von der Qualität und des hohen Niveaus ihres Spiels. Er fragte die alte Dame nach Details zu diesem Stil und Sie gab ihm gerne Auskunft. Zurück in der Hauptstadt konnte Wang Jixin sein neu erworbenes Wissen an diversen Gegnern anwenden und besiegte einen nach dem anderen.

2006 fand in Osaka der "9th National Go Contest" statt. Teilnehmer aus ganz Japan erschienen, aber auch ausländische Talente wie Song Jung-taek (5 dan, derzeit der stärkste Blind-Go-Spieler). Gespielt wurde dabei auf eigens für Blinde angefertigten Gobans. Im Grund genommen sehen diese nicht anders aus als normale Exemplare, ausser dass die Linien darauf hervorgehoben sind und dadurch ertastet werden können. Rund 90 Spieler trugen ihre Partien auf 9x9-Brettern aus, nur 6 konnten auf einem 19x19-er Brett spielen. Zeitsysteme gab es dabei keine, was aber nicht zu Problemen führte. Man beachte hierbei die enorme Leistung die diese Spieler aufbringen, sie bauen das komplette Spiel vor ihrem geistigen Auge auf und müssen darauf basierend Sequenzen lesen (könntet ihr blind eine Ladder lesen?), Freiheiten zählen und Strategien entwickeln. Einige der Partien wurden sogar von den Profis Morino Setsuo und Yuki Shigeno kommentiert. Nähere Informationen zum Event und weitere Fotos findet ihr auf New in Go.

2 Kommentare:

Am/um 11:59 vorm. , Anonymous voga meinte...

gibt es in Deutschland bzw. in Berlin auch blinde Go-Spieler?

 
Am/um 2:13 nachm. , Blogger Let's Go meinte...

Leider kenne ich mich in der deutschen Go-Szene nicht wirklich gut aus.

Falls du auf der offiziellen Seite des deutschen Go Bundes (http://www.dgob.de) keine Informationen dazu finden solltest, kriegst du vielleicht via E-Mail (info@dgob.de) mehr Infos.

 

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