Montag, September 18, 2006

Go Etiquette

"Obwohl Go ein Spiel ist, das auf Konkurrieren aufgebaut ist, ist das Wichtigste dennoch die seelische Einstellung", dieser Satz steht auf einer Wand des Hauptgebäudes der Chinese Weiqi Association. Zu dieser "seelischen Einstellung" gehört auch die Einstellung gegenüber Go selbst die sich vor allem in der Go Etiquette äussert.

Vor dem Spiel:

  • Der ätltere / stärkere Spieler kriegt den bequemeren Platz: D.h. den Platz mit der besseren Aussicht, oder derjenige der am wenigsten Ablenkung zulässt.
  • Brett abwischen: Der jüngere Spieler sollte das Brett kurz mit einem Tuch abwischen um seinem gegenüber Respekt zu bezeugen.
  • Guten Willen zeigen: Bspw. durch Verbeugung, Händeschütteln oder Ähnliches (z.B. High-Five in Kroatien) mit einem entsprechendem Gruss (Onegaishimasu / gutes Spiel,...).
  • Reihenfolge beim Legen der Handicap-Steine: siehe Senseis Library.

Während dem Spiel:

  • Der erste Zug gehört in die obere rechte Ecke: Das hat verschiedene Gründe. Einer davon liegt in der asiatischen Geschichte. Wenn 2 Schwertträger ein Spiel spielten vermieden Sie es so mit dem ersten Zug in die Nähe des Schwerts zu greifen. Ein anderer Grund ist, dass man sich parallel zum Legen des Steins vor seinem Gegner verbeugt und so seinen Resprekt zeigt. Die obere linke Ecke sollte beim ersten Zug immer frei bleiben, damit ein älterer ("gebrechlicher") Spieler die Möglichkeit hat an dieser Stelle zu antworten.
  • Beide Spieler schweigen während des Spiels: Sicherlich keine Regel die man unbedingt ausserhalb von Turnier- und Lehrpartien befolgen muss. Es gilt als unhöflich während des Spiels Sprüche zu benutzen die dem Gegner suggerieren er würde einen Fehler machen oder eine ihm zu sagen eine Situation sei hoffnungslos um ihm so "den Kampfgeist zu nehmen".
  • Beobachter dürfen keine Kommentare abgeben: Niemand mag Kibitzer :)
  • Nicht auf Fehler des Gegners hoffen: Eine Partie sollte aus eigener Stärke heraus gewonnen werden. Es ist unschön zu billige Tricks (nicht zu verwechseln mit echten Tesuji) zu gewinnen. Zudem lernt der schwächere Spieler so unter Umständen falsche Sachen und Prinzipien.
  • Den Gegner auf Atari aufmerksam machen: Eine umstrittene Idee. Einige Spieler empfinden das als störend (meiner Meinung nach vollkommen zurecht)
  • Steine erst in die Hand nehmen wenn man sich für einen Zug entschieden hat: Dies hilft beiden Spielern. Zum einen macht man so weniger impulsive Züge. Einige halten dazu einen Fächer in der Hand um nicht automatisch gleich zu den Steinen zu greifen und sich den Zug genauer zu überlegen. Zudem stören sich einige Spieler daran wenn ihr Gegner ständig die Hand in der Schale hat und mit den Steinen herumscheppert.
  • Richtig aufgeben: Durch einen der gängigen Sprüche oder das legen von 2 Steinen gleichzeitig (illegal move). Bei Hikaru no go werden die gefangenen Steine zu diesem Zweck auch aufs Brett gelegt... wobei ich das im "echten Leben" noch nie gesehen habe.

Nach dem Spiel:

  • Einsammeln der Steine: Jeder Spieler sammelt nur seine eigenen Steine ein. So vermeidet man, dass ein Wirrwarr entsteht.
  • Bedanken: Beide Spieler bedanken sich nach der Partie für das Spiel.
  • Spielanalyse: Die Partie sollte sollte von beiden Spielern analysiert werden, so dass beide etwas lernen.

3 Kommentare:

Am/um 12:44 nachm. , Anonymous josef meinte...

ich denke man kann sagen, dass die umgangsformen am go brett immer situationsabhängig sind. viele stammen aus vergangenen zeiten und anderen kulturkreisen und sind deshalb entweder obsolet oder sinnlos.

ich halte es zum beispiel für sinnlos, vor spielbeginn "onegai shimasu" zu sagen, wenn man nicht mit japanischen spielern spielt. das ist (stark hinkend) vergleichbar mit dem nervtötenden "let's begin and enjoy a great game", der automatischen übersetzung von "onegai shimasu" des japanischen igs-clients.

- der erste zug gehört in die obere ecke:
diese aussage ist nur bedingt richtig und hat einerseits mit der fuseki theorie zu tun, die in japan während der tokugawa-zeit entwickelt wurde, andererseits mit japanischen umgangsformen. die klassische fuseki theorie ist zwar nicht widerlegt, aber auch nicht mehr die einzig gültige. behauptungen, es sei unhöflich, diesen oder jenen zug zu machen, entbehren daher jeglicher grundlage.
ich empfehle aber trotzdem, den ersten stein auf die herkömmlichen punkte zu setzen, da sonst der eindruck entstehen könnte, man wolle seinen gegner unnötig provozieren.

- beobachter dürfen keinen kommentar abgeben:
dass niemand kibitzer mag, ist kein argument. vielmehr zerstören kommentare von der seite sofort eine partie, da ein fairer wettbewerb unter zwei spielern so nicht gewährleistet ist. aber auch hier kommt es auf die umstände an. wenn zwei spieler schon angeheitert am brett sitzen und die partie nicht besonders ernst nehmen, kann es durchaus angebracht sein, von der seite auch noch dumm reinzuschwatzen. aber selbst dann sollte man es unterlassen, auf tesuji, tote gruppen, etc. hinzuweisen.

- richtig aufgeben: ich finde schon das aufgeben an sich wichtig. vor allem schwache spieler tun sich schwer damit und probieren allerhand aus, selbst wenn sie klar verloren haben. die ausrede, man sei zu schwach um einzuschätzen, ob man gewonnen oder verloren habe, finde ich ätzend. wer so argumentiert, soll zurück aufs 13x13 brett. vieleicht geht's da besser.

die liste der guten umgangsformen beim go spielen liesse sich noch brliebig erweitern:

- exaktes platzieren der steine: ungenaues, nachlässiges setzen der steine kann mit störung der eigenen motorik zusammenhängen, zeigt aber vor allem geringschätzung des spielpartners.

- furzartiges ausatmen (und mundatmen allgemein): eine der nervigsten und häufigsten negativen erfahrungen beim go spielen. viele menschen haben die angewohnheit, bei ratlosigkeit oder frustration mit geschlossenen lippen aus dem mund zu atmen ("pfrrrrr"). meist haben die spieler keine gelegenheit für mundhygiene, bevor sie abends in den go club pilgern. die konsequenz sind giftgasattacken mitten ins gesicht des spielpartners. also - mund zu und immer schön langsam durch die nase atmen, bitte.

ah, und dann wäre da noch das nervöse herumgewippe mit den beinen, und das impertinent auffällige anschauen des spielpartners nach jedem zug, MANN DAS NERVT!

 
Am/um 3:46 nachm. , Anonymous betterlife meinte...

Permanentes Anstarren während der Partie das habe ich auch schon erlebt! Wobei das Gegenteil ist mir schon viel öfter untergekommen, nämlich Gegner die ganz prinzipiell nicht aufschauen um vielleicht mal zu überprüfen ob es dem auf der anderen Seite wirklich noch Spass macht, ob der Gegner sich vielleicht langweilt weil man selber für jeden Zug 3 mal soviel Zeit braucht oder eben eigentlich schon lange hätte aufgeben sollen, da die Partie völlig hoffnungslos geworden ist ... Leute die ein bisschen Lärm machen während dem Spiel sind mir immer noch lieber als solche die nur verbissen aufs Brett starren und wenn einer erst gerade ein Käsebrot verdrückt hat, kann man ihn z.Bsp. zu einem Bier einladen damit den Mief runterspühlen kann!?

 
Am/um 12:58 vorm. , Blogger Let's Go meinte...

Hmm... also:

1. Juhui Comments ^^

2. Ich geb jetzt mal meinen Senf dazu.

- Das Stinky-Breath-Tesuji hab ich persönlich noch nie erlebt, hört sich allerdings sehr unangenehm an.

- Mit dem Aufgeben ist das so ne Sache. Wenn man auf ORO spielt wird der Gegner (auch wenn die Situation völlig aussichtslos ist) noch an jedes Ikken Tobi schneiden und probieren das Ruder rumzureissen. Ich find n bissel Kampfgeist ganz lustig :) ... in manchen Fällen aber zugegebenermassen total nervig. Ich für meinen Teil kann ein Spiel auch nur auf etwa 5 Punkte genau einschätzen <_< .

Und sowieso, ich glaube die Liste liesse sich endlos erweitern. Es soll sogar Leute geben die während Turnierspielen frisch fröhlich der Körperhygiene fröhnen ;) . Aber ich gaube die zusammengetragenen Punkte bilden so den harten Kern

 

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