Donnerstag, Mai 03, 2007

Shusaku veraltet?


In einem Interview mit Cho Seok Bin das Sorin vor kurzem auf seinem Blog veröffentlich hat, wird u.a. folgendes gesagt [übersetzt]:

[...]
Hast du historische Go-Spieler (Shusaku zum Beispiel oder vielleicht noch ältere) studiert? Wenn ja, was denkst du über diese Spieler - Wie lassen sie sich mit den heutigen Top-Spielern hinsichtlich ihrer Stärke vergleichen?

Ich habe einige von Go Seigen's spielen studiert, aber nie die von Shusaku (u.Ä.)

Ich denke die alten Meister waren gut im Kämpfen, aber hatten ein sehr schlechte Eröffnung. Immerhin hat sich die Eröffnungs-Theorie in den letzten 200 Jahren stark verändert.

Ausserdem glaube ich, dass die Top-Spieler mit jeder Generation stärker werden, also denke ich, dass die heuten Top-Spieler stärker sind als diejenigen von vor 200 Jahren.
[...]

Merkwürdigerweise hat mir ein koreanischer 7 Dan (nicht Cho Seok Bin) vor kurzer Zeit etwas ähnliches gesagt als ich ihn nach Spielesammlungen von Shusaku fragte. Seine Anwort lautete wie folgt (sinngemäss):

[...] Heutzutage studieren Go-Spieler (in Korea) moderne Spiele. Die Strategien und Konzepte haben sich seit der Zeit von Shusaku stark weiterentwickelt. Aktuelle Spiele beinhalten sozusagen "mehr Finesse" als die der alten Meister [...]

Ein oft gehörtes Gegenargument zu dieser Meinung ist der Fakt, dass die Spiele zur Zeit Shusakus noch wesentlich länger dauerten. Einige davon dauerten Tage, oder sogar Wochen. Warum sollte also unter Berücksichtigung dessen der Opening-Skill damals schlechter gewesen sein?

Ganz einfach, damals wurden sämtliche Spiele ohne Komi gespielt (dass das Komi 6,5 beträgt (bei japanischem Counting), wurde erst vor ca 2 Jahren festgesetzt). In Amateurspielen macht diese Vorgabe oft nur sehr wenig aus, bei Profis die ihre Spiele oftmals mit 0.5 - 3.5 Punkten gewinnen ist dieser Bonus natürlich riesig!

So lässt sich erklären, dass die damaligen Pro's zwar exzellente Kämpfer waren, aber ihr Opening nach heutigen Standards eher schwach war. Natürlich kann ein 4 kyu wie ich das nicht wirklich beurteilen, deshalb wäre froh über einige Comments eurerseits :)

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1 Kommentare:

Am/um 12:47 nachm. , Blogger josef renner meinte...

veraltet, gut, schlecht - solche normativen aussagen aus interviews mit starken go spielern mit - nennen wir das übel bei seinem namen - armseligen englischkenntnissen sind mit vorsicht zu geniessen. das ist zwar nur meine persönliche meinung, aber ich bin sicher, dass sich sowohl seokbin wie auch andere go-senseis in ihrer eigenen sprache differenzierter ausdrücken würden.
ich frage mich ausserdem, ob hinsichtlich der stärke der alten meister nicht genauere aussagen möglich wären (da hätte ich gerne ein statement eines wirklichen meisters, der sich mit alten go spielen befasst hat). die leute damals waren ja staatlich subventioniert, konnten also ihr ganzes leben aufs go spielen ausrichten, warum sollten sie deswegen nicht gleich stark sein wie heutige spieler? das go spiel ist ja tausende jahre alt, war also schon damals weit entwickelt, die hundertfünfzig jahre seit shusaku sollten doch dabei nicht so stark ins gewicht fallen?
ich denke auch, dass sich in den go communities chinas und koreas in den letzten 20 jahren ein selbstvertrauen durch die erfolge ihrer go spieler entwickelt hat, das einen lange andauernden frust über die unterlegenheit gegenüber den japanern abeglöst hat. da hebt man gerne das genie go seigens auf kosten shusakus hervor ("wir waren ja eigentlich auch früher schon stärker als die"). aber eben, solange die jungs nicht besser englisch können, bzw. wir nicht koreanisch, etc. kann man da nur spekulieren.

 

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